Wissen – Verletzungen beim Klettern I

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Anfang dieses Jahres erschein unter dem Titel Injury Trends in Rock Climbers: Evaluation of a Case Series of 911 Injuries Between 2009 and 2012 eine Arbeit von Volker Schöffl et al., die sich mit den typischen Verletzungen beim Klettern beschäftigt. Schöffl ist, gemeinsam mit Thomas Hochholzer, Autor des Buches So weit die Hände greifen…: Sportklettern/Verletzungen und Prophylaxe und leitet als Chirurg, Unfallchirurg, Orthopäde und Sportmediziner am Bamberger Klinikum die Sektionen Sportorthopädie, Sporttraumatologie, Sportmedizin und Chirurgie der oberen Extremitäten. Das erklärt auch, dass der Großteil der 836 Patienten, die in der Studie 2009 – 2012 erfasst wurden, aus Deutschlands größtem Klettergebiet, dem Frankenjura stammen.

Welche Kletterer verletzen sich?

Der durchschnittliche Patient, der in der Studie erfasst wurde, ist Mitte dreißig, klettert im oberen achten Grad (!) und hat etwas mehr als 13 Jahre Erfahrung im Klettern. Dabei muss man allerdings sagen, dass das Kollektiv natürlich sehr heterogen ist, denn es gab Verletzte im Alter von 11 bis 77 Jahren und geklettert wurde in Schwierigkeitsgraden zwischen 5 und 11+, mit einem Erfahrungshorizont von knapp über drei Monaten bis hin zu mehr als sechzig Jahren.  Ältere Kletterer mit mehr Erfahrung haben übrigens mehr chronische als akute Verletzungen, sprich mehr Verletzungen durch Überbeanspruchung.

Welche Verletzungen sind am häufigsten?

Interessant ist, dass etwa 40 % der Verletzungen akut sind und der Rest, also die Mehrheit, aus Überlastung resultierte. Knapp über 90 % der Verletzungen betrafen die oberen Extremitäten und die Autoren legen dar, dass dies typisch für das Sportklettern sei. Im Gegensatz hierzu steht das Alpinklettern, wo aufgrund der Sturzweiten und Absicherung Verletungen der unteren Extremitäten häufiger sind. Beim Sportklettern hingegen resultieren die Verletzungen weniger aus Stürzen, als aus schweren Zügen, deren Belastung der Körper letztlich nicht standhält.

Am häufigsten (57 %) treten Verletzungen an Händen, Fingern oder Daumen auf, gefolgt von Schulterverletzungen (17% ) und Verletzungen am Ellenbogen (8 %). Was die Finger angeht, sind die Ringbänder am häufigsten betroffen und bei Schulterverletzungen sind SLAP Läsionen am gängigsten, gefolgt vom wohl bekannteren Impingement.

Bei jugendlichen Kletterern (bis 14 Jahre) traten am häufigsten Ermüdungsbrüche der Epiphysenfuge auf. Hier liegt das Problem darin, dass die Knochen der Finger noch im Wachstum und die Wachstumsfugen noch nicht komplett verknöchert sind. Entsprechend halten die Finger harten Belastungen nicht stand und es kann zum Bruch kommen.

Schlussfolgerungen

Die wichtigste Schlussfolgerung für Eltern und Jugendliche liegt sicherlich darin, dass das Training am Campusboard nur mit großer Vorsicht zu genießen ist, da die sich noch im Wachstum befindlichen Finger den dort auftretenden Belastungsspritzen nicht immer gewachsen sind. Hiervor warnen die Autoren explizit. Wer dennoch in jungen Jahren und vor abgeschlossenem Wachstum am Campusboard trainieren möchte, sollte sich zum Beispiel an die Empfehlungen des British Mountaineering Council halten und darauf verzichten, am Campusboard dynamische Übungen durchzuführen oder komplett frei ohne Unterstützung der Füße zu arbeiten. Auch wer älter ist sollte sich wohl überlegen, wie und ob er am Campusboard trainieren möchte, denn immerhin sind Verletzungen an den den Fingern und insbesondere an den Ringbändern sehr häufig. Auch hier hält der British Mountaineering Council ein paar ganz einfache Tipps parat.

Ansonsten geht aus der Studie hervor, dass der Großteil (fast alle!) der Verletungen beim Sportklettern (nicht beim Alpinklettern!) nicht aus Stürzen, sondern aus schwerer Belastung resultieren. Hierbei ist etwas mehr als die Hälfte die Folge von Überlastung und akute Verletzungen sind etwas weniger häufig. Man kann also den Schluss ziehen, dass man es ab und zu etwas langsamer angehen sollte und nach Möglichkeit auf seinen Körper hört. Dabei muss ich mir natürlich an die eigene Nase fassen, denn während ich diese Zeilen schreibe sitze ich selbst mit einer Überlastungsverletzung vor der Tastatur…

In diesem Sinne

Martin

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