Die European Outdoor Film Tour (E.O.F.T.) war am vergangenen Samstag zu Gast in Mannheim und der Andrang vor dem Capitol war groß. Bereits eine halbe Stunde vor Einlass stand eine lange Schlange vor den Türen und konnte es kaum erwarten die neusten Outdoorfilme zu sehen. Auch ich war gespannt was mich erwarten würde, denn im Vorfeld hatte ich zwar kurz einmal den Trailer gesehen…

… mich dann aber nicht weiter informiert, welche Filme auf mich warteten. Alles in allem gab es neun Filme zu sehen und letzlich war ich ein bisschen enttäuscht, über einen der Filme musste ich mich am Ende sogar ziemlich aufregen. Doch der Reihe nach. Einige Filme waren nett anzuschauen, hätten aber auch Wiederholungen sein können: Alex Honnold kletterte in El Sendero Luminoso einmal mehr ein schwindelerregendes Solo ohne Seil, in Dream fährt ein bunt illuminiertes Kajak durch einen wilden Fluss, in Rad Company wird munter geradelt und zu spektakulären Sprüngen angesetzt, in Shades of Winter – pure fahren eine handvoll Frauen steile Berge auf Skiern nach unten, in Afterglow wird ebenfalls Ski gefahren (nur in bunten Anzügen mit LED Leuchten) und Frozen Titans zeigt Kletterei in Helmcken Falls.

Sicher, das war alles schön anzuschauen und da will ich auch nicht groß meckern, aber dass Alex Honnold allein in einer Wand unterwegs ist kennt man und Will Gadd war im Zuge der Reel Rock Tour auch schon mal in Helmcken Falls, nur eben ein paar Meter weiter nebenan. Die Filme mit den Skifahrer und Radfahrern beinhalten auch schöne Bilder, aber es gibt keinerlei Geschichte die erzählt wird, sondern man schaut einfach nur den Athleten bei der Ausübung ihres Sports zu – und daher wäre es zumindest mir nicht aufgefallen, hätte man einen der Freeridefilme aus den letzten Jahren wiederholt.

Die European Outdoor Film Tour 14/15 zu Gast im Capitol in Mannheim.
Die European Outdoor Film Tour 14/15 zu Gast im Capitol in Mannheim.

Vielleicht liegt es genau an diesen Wiederholungen, dass sich die Filmemacher etwas Neues haben einfallen lassen und nun die Skifahrer mit zahlreichen bunten LEDs ausgestattet haben. Dazu wurden dann ganze Berghänge mit bunten Lichtern bestrahlt und damit war es für mich dann auch etwas zu viel des Guten: Sicherlich sieht das alles toll aus, aber letztlich mag ich eine authentisch erzählte Geschichte einfach mehr, als ein austauschbares und inszeniertes Treiben. Das hat auch nichts mehr mit Abenteuer oder Natur zu tun, denn letztere verkommt hier zu eine Kulisse, die wie in einem Filmstudio nach Belieben modeliert wird. Muss man einen Outdoor-Film wirklich zu einem Schauspiel an Effekten aufbauen? Muss alles inszeniert werden?

Den Hang zur Inszenierung gab es dann auch nach der Pause. Die Gewinnspiele zwischen den Filmen der E.O.F.T. kannte ich ja, aber dass nun dazu übergegangen wurde auch noch kleine Spielchen zu veranstalten geht für mich in die gleiche Richtung. Zwei Päarchen mussten um die Wette Bierfässer stemmen.

Bierfassstemmen als Pausenfüller während der E.O.F.T. Es lebe das Event und der Kommerz.
Bierfassstemmen als Pausenfüller während der E.O.F.T. Es lebe das Event und der Kommerz.

Es mag gut sein, dass ich langsam alt und spießig werde, aber deswegen war ich eigentlich nicht gekommen, irgendwie wollte ich Filme anschauen. Im Übrigen sei an dieser Stelle angemerkt, dass ich es bei solch einer Übung auch nur fair fände, wenn es zwei Preise gäbe – einen Rucksack zu verschenken sorgt hier vielleicht für Diskussionen unter den Teilnehmern…

Ein wenig besser sah es bei Nobody’s River aus. Vier Frauen machen sich auf eine Reise mit dem Wanderkajak und fahren in der Mongolei und Russland auf dem Onon beziehungsweise dem Amur. An sich hätte dies ein toller Reisebericht sein können, bei dem es eine Story gab und tolle Bilder, die ganz ohne künstliche Effekte durch LED-Anzüge auskamen, aber hier trübte ein anderer Aspekt ein wenig das Bild: Wenige Tage vor dem Aufbruch der Gruppe verstarb der Lebenspartner einer Protagonistin und das wurde dann doch allzu künstlich in den Film geschleppt, um für mehr Pathos zu sorgen. Ob das wirklich sein muss wage ich zu bezweifeln, denn sicherlich mag es für die Beteiligten wichtig gewesen sein, aber die Art und Weise wie es im Film dann umgesetzt wurde, wirkte stellenweise doch etwas oberflächlich und zu sehr gewollt.

Der größte Aufreger für mich war allerdings der Film Don’t Look Down. Hier ging es um den Engländer James Kingston, der gerne auf Kräne und andere hohe Objekte in Städten „klettert“, um dort irgendwelche möglichst riskanten „Stunts“ zu vollführen. Der Film illustriert ein wenig das Leben Kingstons und man erfährt, dass er irgendwann in der Pubertät damit begann sein Zimmer nicht mehr zu verlassen, um sich ganz und gar dem Computer zu widmen. Später fand er dann (wie auch immer – youtube sei Dank) Gefallen an Parkour und das hätte ja ein Gutes Ende nehmen können, doch dann begann er damit auf Baukräne zu steigen, um dort möglichst gefährliche Dinge zu tun. Das nennt man dann Roofing. An einem Arm über dem Abgrund zu hängen, beispielsweise. Man erfährt im Film dann auch, dass es in der Szene darum geht, möglichst gefährliche „Stunts“ durchzuführen und sich gegenseitig zu übertreffen. Im Film fährt Kingston in die Ukraine, um dort mit einem in der Roofing-Szene bekannten Ukrainer auf einer hohen Brücke sein Unwesen zu treiben und letztlich gipfelt der Film darin, dass Kingston in mehr als hundert Metern einen Rückwärtssalto auf einer kleinen Plattform schlägt.

Warum ich mich über diesen Film so aufgeregt habe hat zwei Gründe. Zum einen hat dies nichts mit Outdoor mehr zu tun, zum anderen gibt man diesem Treiben im Rahmen der E.O.F.T. eine Plattform, die es meines Erachtens nach nicht verdient hat. Wie bereits erwähnt geht es hier einzig und alleine darum, etwas möglichst Gefährliches zu tun. Man kann sich nun natürlich fragen, wo der Unterschied zu einem Free Solo von Alex Honnold liegt, denn dieser begibt sich ja auch in eine ähnliche Gefahr und das seilfreie Klettern in hohen Schwierigeitsgraden und großer Höhe erscheint sicherlich für viele sicherlich ebenso unvernünftig. Der entscheidende Punkt liegt wie ich finde im Motiv: Während ein Solokletterer die absolute Freiheit und den reinsten aller Kletterstile sucht*, akzeptiert er die Gefahr – doch beim Roofing ist die Gefahr kein Begleiter, sondern das eigentliche Ziel. Wieso man diesen Film für die E.O.F.T. ausgewählt hat erschließt sich mir leider nicht und ich halte ihn für absolut deplaziert.

Einziger Lichtblick an diesem Abend war Cave Connection. In diesem Film gab es ein Handlung und authentische Bilder. Keine Effekte, keine beleuchteten Berge, keine LED Anzüge oder ähnliches. Gezeigt wurden eine Handvoll Höhlenforscher, die in Neuseeland die Verbindung zweiter nahegelegener Höhlen nachweisen wollten. Die dabei entstandenen Bilder sind ehrlich, denn sie entstanden weit unter der Erdoberfläche und sind weit davon entfernt perfekte Inszenierungen zu sein. Mal ist das Rauschen etwas stark, mal ist etwas unscharf oder mal ist eine der Helmlampen im Bild. Aber genau das macht die Geschichte so ehrlich und wenn man sieht, wie sich die Speläologen durch die Engen winden wird es beim Zuschauen richtig ungemütlich. Einer der Teilnehmer der Expedition (und hier scheint mir dieser Ausdruck wirklich angebracht, da tatsächlich noch eine Entdeckungsreise in eine unerforschte Region unternommen wird) muss sogar seine Gummistiefel ausziehen, weil er ansonsten nicht durch die Spalten passen würde…

Alles in allem lautet mein Fazit also, dass ich etwas enttäuscht war. Statt packender Reiseberichte und Dokumentationen gab es ziemlich viel Inszeniertes und leider auch einen extrem fragwürdigen Film. Für die Zukunft würde ich mir weniger Effekte und etwas mehr Ehrlichkeit wünschen. Es muss nicht immer der höchste Berg, die schwerste Route oder ein anderes Extrem sein – und das gilt nicht nur für die Touren, sondern auch für die Filme.

In diesem Sinne

Martin

* Sicherlich, die Beweggründe mögen verschieden sein. Aber nachdem ich selbst schon seilfrei in Routen geklettert bin, die bis einen Grad unter mein Rotpunktniveau gingen, bilde ich mir ein ein bisschen zu wissen worum es geht.

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