Mit dem Film Cold erreichte Simone Moro im Zuge der European Outdoor Film Tour 2011/2012 größere Bekanntheit, denn in diesem packenden Kurzfilm (18 Minuten) wird gezeigt, wie er mit Denis Urubko und Cory Richards erstmals im Winter bei Temperaturen von deutlich weniger als -40 °C den Gipfel des Gasherbrum II auf 8043 m Höhe besteigt. Nicht erst mit dieser Begehung hat sich Simone Moro einen Namen als Wineralpinist gemacht, denn er ist der erste Mensch, der drei Achttausendern im Winter bestiegen hat*. Im Jahr 2013 wurde Simone Moro dann einer noch größeren Öffentlichkeit bekannt, als es am Mount Everest gemeinsam mit Uli Steck und Jonathan Griffith beim Versuch der Überschreitung von Everest und Lothse zu handgreiflichen Auseinandersetzungen mit Trägern von kommerziellen Expeditionen kam, welche den dreien nach dem Leben trachteten. Dieses Ereignis ist im Film High Tensions – Gewalt am Everest dargestellt und der Kurzfilm war im Rahmen der Reel Rock Tour 8 auch in Deutschland zu sehen. Simone Moro selbst war mit diesem Film übrigens nicht zufrieden und kritisiert die Darstellung der Ereignisse.

Worum geht es?

In Eiseskälte: Die Achttausender im Winter ist das zweite Buch Somone Moros und um dies besser einordnen zu können kurz ein Blick zurück auf das erste Buch, Cometa sull’Annapurna. In diesem Buch geht es um Simone Moros alpinistisches Leben bis in das für ihn schicksalhafte Jahr 1997, in dem er beim Versuch der Wintererstbesteigung der Annapurna (8091 m) gemeinsam mit seinen Partnern Anatoli Bukrejew (bekannt aus Jon Krakauers In eisige Höhen: Das Drama am Mount Everest) und Dmitri Sobolew von einer Lawine vom Berg gerissen wird. Während Simone Moro wie durch ein Wunder überlebt, verunglücken seine beiden Seilschaftspartner tödlich. Das vorliegende Buch In Eiseskälte: Die Achttausender im Winter erzählt von der Zeit danach, in der er in Denis Urubko einen neuen Freund für eisige Unterfangen in großer Höhe findet und als erster Mensch überhaupt drei Winterbegehungen von Achttausendern macht. Die Begehungen der Shisha Pangma (8027 m), des Makalu (8463 m) und Gasherbrum II (8034 m) nehmen den Großteil des Buches ein, wobei auch andere Begehungen erzählt werden. Das Buch entstand im Übrigen in der Wintersaision 2012/2013 im Basislager des Nanga Parbats (8125 m), wo Simone Moros eine Wintererstbegehung versuchte. Letztlich war diese nicht erfolgreich, aber es finden sich im Buch zwischen den Gesichten anderer Berge immer wieder tagebuchartige Einblicke in die damals aktuelle Expedition.

Simone Moro schreibt in seinem zweiten Buch an mehreren Stellen nicht nur von den Erfolgen, sondern auch von den Niederlagen am Berg. Auch wird an manchen Stellen immer wieder deutlich, dass er sehr viel Kritik eingesteckt und diese nicht immer als gerechtfertigt empfunden hat. Oft kritisiert wurde er zum Beispiel dafür, dass er mit dem Hubschrauber zum Ort des Basislagers fliegt und so auch die Lasten dorthin bekommt. Natürlich kann man dieses Vorgehen als alpinistisch fragwürdig kritisieren, aber Simone Moro erklärt in seinem Buch auch, warum es ab und zu notwendig ist die Ideale der Realität unterzuordnen oder anzupassen. Auch wird deutlich, dass er zwar im Alpinstil vorgehen will (oder seinen Stil zumindest so nennt), aber bei vorhandenen Fixseilen von Vorgängerexpeditionen durchaus auf diese zurückgreift. Was dies angeht schönt er seine Begehungen also nicht und sieht das Buch durchaus auch als Gelegenheit sein Vorgehen, insbesondere die Helikoptereinsätze, zu erklären.

Wie ist es geschrieben?

Simone Moro ist ein vielbeschäftigter Mann, der nicht nur als Bergsteiger (im Winter) unterwegs ist, sondern nebenher auch noch zahlreiche Vorträge hält und sich als Helikopterpilot bei der Bergrettung einbringt, auch im Himalaya und Karakorum. Es verwundert daher nicht, dass er das Buch In Eiseskälte: Die Achttausender im Winter im Basislager einer Expedition zum Nanga Parbats schreibt – und zumindest auf den ersten etwa 30 Seiten wird dies auch deutlich: Simone Moro schreibt, dass er dieses Buch schreiben muss und anfangs wird nicht ganz klar, von was er eigentlich schreiben möchte, denn immer wieder blickt er zurück auf die Annapurna, ein Erlebnis das ihn prägte – schreibt aber gleichzeitig, dass er eigentlich gar nicht davon berichten möchte. So geht es ein wenig hin und her, bis er sich nach etwa 50 Seiten gefangen hat und von den Winterbesteigungen erzählt, beziehungsweise auch, wie es dazu kam. Stilistisch kommt er weitgehend ohne Fachbegriffe der alpinen Szene aus und er nutzt auch gerne mal deutlich Worte, etwa wenn Reinhold Messner allen das Maul stopft“, weil er Grenzen verschiebt und es seinen Kritikern zeigt, oder „Idioten“ ohne Kenntnis der Sachlage Kritik üben. Die Besteigungen selbst schildert Simone Moro nicht im letzten Detail und viele Dinge fasst Simone Moro großzügig zusammen. Ohnehin hatte ich den Eindruck, dass er wohl durch nichts aus der Ruhe zu bringen ist. Seine nebenbei erwähnte vierte Besteigung des Mount Everest (teilweise mit Sauerstoff) bezeichnet er in zwei Zeilen zum Beispiel als „ganz normale, wundervolle Gipfeltour“ und dass seine Seilschaft am Gasherbrum II regelmäßig in Spalten stürzte schien ihn auch völlig unbeeindruckt gelassen zu haben: „Der Gasherbrum II ist zwar der zweitniedrigste der vierzehn Achttausender, aber wegen des von Spalten durchzogenen Gletschers, der ihn verteidigt, gehört er mit zu den gefährlichsten. Das erfuhren wir am eigenen Leib, denn alle drei stürzten wir abwechselnd etwa zehnmal in einen dieser Abgründe, und nur das Sicherungsseil, das wir für die gesamte Dauer der Expedition benutzten, verhinderte potentiell fatale Unfälle. […] Wir brauchten einen halben Tag, um zum Lager 1 zu gelangen. Cory war gleichmäßig in derselben Geschwindigkeit wie wir gelaufen, er hatte seine erste Dosis von Spaltenstürzen abbekommen und sich nunmehr perfekt auf die Realität des Gasherbrum eingestellt.“ Es gibt mehrere Passagen, die Simone Moro nach dem Motto „eine schwere Querung hier, ein ausgesetzter Grat da und schon ist man oben“ beschreibt und so kommt zumindest bei mir ab und zu ein wenig das Gefühl auf, dass er wohl ein sehr sonniges Gemüt mit guter Portion Optimismus haben muss. Richtig spannend zu lesen wird das Buch durch diese Erzählweise allerdings nicht.

Fazit

Das Buch ist unterhaltsam, kurzweilig und auch interessant geschrieben, nicht zuletzt weil Simone Moro immer wieder auf die Kritik eingeht, die ihm in der Öffentlichkeit teilweise für seine Begehungen entgegengebracht wird. Im Buch nutzt er die Zeilen, um sich zu verteidigen und seine Sicht der Dinge darzulegen. Ebenfalls schön zu lesen ist, wie wichtig ihm die Wahl des richtigen Partners am Berg ist. Weil Simone Moro die Touren aber, vielleicht mit Ausnahme der Besteigung des Gasherbrum II, wie Sonntagsspaziergänge schildert, ist das Buch weit von der Spannung und Athmosphäre entfernt, die man zum Beispiel im Film zur Besteigung des Gasherbrum II, Cold, erlebt. Wer sich daran aber nicht stört bekommt mit dem Buch ein paar Stunden interessanter Berglektüre.

Die gebundene Ausgabe von Simone Moros Buch In Eiseskälte: Die Achttausender im Winter erschein am 17. September 2013 im Verlag Malik und ist für knapp unter 20 EUR unter der ISBN 978-3890294360 erhältlich.

* Das Besteigen von Achttausendern im Winter ist eine von Polen erfundene Disziplin und es gab durchaus vor Simone Moro Polen, die im Winter auf drei Achttausendern standen. Allerdings begannen diese Expeditionen teilweise vor dem offiziellen Winterbeginn und werden entsprechend von Chronisten, Kritikern und auch Simome Moro teilweise nicht als komplette Winterbegehungen annerkannt.

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