Überschreitung Kleiner Widderstein

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Eine Arbeitskollegin hatte sich vor einiger Zeit dafür interessiert, wie groß ein Rucksack mit 45 l Fassungsvermögen wirklich sei und daher hatte ich ihr einen Gefallen getan und meinen Hochtourenrucksack mit zur Arbeit genommen, quasi zur Anschauung. Dabei wollte der Zufall es, dass ich kurz vor meinem Büro auf den Rucksack angesprochen wurde und schnell stellte ich fest, dass nur ein paar Bürotüren weiter in einer anderen Abteilung auch jemand sitzt, der gerne in die Berge geht. Schnell waren wir uns einig, dass wir unbedingt eine Tour zusammen gehen wollten und hatten auch ebenso schnell ein paar mögliche Termine. Leider machte uns allerdings das stets für jedes der angedachten Wochenenden schlecht angekündigte Wetter Sorgen, so dass es eine ganze Weile dauerte, bis wir tatsächlich gemeinsam aufbrechen konnten. Am vergangenen Sonntag war es aber soweit und wir fuhren gemeinsam in der Früh ins Kleinwalsertal, um den Bärenkopf (2083 m) zu erklimmen und von dort aus den kleinen Widderstein (2236 m) von Nord nach Süd zu überschreiten.

Unsere Informationen über die Tour waren sehr übersichtlich: Der Alpenvereinsführer erwähnt quasi nur den Schwierigkeitsgrad der Kletterei (III) und ansonsten hatten wir hauptsächlich Berichte gelesen (oder überflogen). Dieser Artikel gab uns im Wesentlichen eine Idee, wie die Tour verlaufen könnte. Start war der Parkplatz in Baad am Ende des Kleinwalsertals, wo wir unser Auto parkten und dann in Richtung Bärggunttal, beziehungsweise Richtung Alpe Widderstein aufbrachen. Die Alpe war schnell erreicht und unmittelbar nach der Alpe verliesen wir links den Wanderweg und es ging ins Gras, wo wir am Rand des Waldes nach einer Weile einen Pfad entdeckten, der uns auf der westlichen Flanke des Bärenkopfs nach oben führte. An einer Jagdhütte führte uns der Pfad noch vorbei, doch dann wurde es schnell weglos und wir mussten durch teilweise recht steiles grasiges Gelände nach oben stapfen. Das Gras war dabei ab und an recht lang und deshalb war nicht immer zu sehen, auf was für Gelände man letztlich seinen Fuß setzte, aber nach oben hin erreichten wir erneut einen Trampelpfad, der uns zum Gratrücken des Bärenkopfs führte.

Blick vom oberen Teil der grasigen Westflanke des Bärenkopfs auf den Hohen Ifen im Nordwesten.
Blick vom oberen Teil der grasigen Westflanke des Bärenkopfs auf den Hohen Ifen im Nordwesten.
Blick von der Westflanke des Bärenkopfs auf den im Hintergrund sichtbaren Große Widderstein. Der kleiner Namensvetter bleibt leider (noch) hinter dem grasigen Grat verborgen.
Blick von der Westflanke des Bärenkopfs auf den im Hintergrund sichtbaren Große Widderstein. Der kleiner Namensvetter bleibt leider (noch) hinter dem grasigen Grat verborgen.
Blick vom grasigen Grat des Bärenkopfs in Richtung Süden. Im Vordergrund der kleine Widderstein, dahinter ragt der große Widderstein auf.
Blick vom grasigen Grat des Bärenkopfs in Richtung Süden. Im Vordergrund der kleine Widderstein, dahinter ragt der große Widderstein auf. Ziel der Tour war die Überschreitung des kleinen Widdersteins bis zum Karlstor, der Scharte zum großen Widderstein hin. Diese ist am Kar unterhalb des Gipfels des Großen Widdersteins angedeutet.

Auf dem grasigen Gratrücken angekommen mussten wir erst einmal ein Stückchen nach Norden gehen, um dort den höchsten Punkt des Bärenkopfs auf 2083 m zu erreichen. Dabei  ist das Gipfelkreuz eines der wenigen, das man problemlos überragt.

Gipfelkreuz des Bärenkopfs; im Hintergrund links das Kleinwalsertal.
Gipfelkreuz des Bärenkopfs; im Hintergrund links das Kleinwalsertal.

Dem Bergrücken entlang folgten wir nun nach einer kleinen Pause zur Stärkung in Richtung Süden, wo wir das eigentliche Ziel, den Kleinen Widderstein direkt sehen konnten. Im Hintergrund war auch der große Widderstein zu erkennen. Auf nachstehendem Foto sieht man schon den Grat des Kleinen Widdersteins, den man von der Scharte zum Bärenkopf im unteren Bereich des Bildes aus erreicht. Wer genau hinschaut erkennt in der Bildmitte Pfadspuren zwischen der ersten Felspassage und dem zweiten Abschnitt zum nördlichen Gipfel des kleinen Widdersteins.

Im Vordergrund der Kleine Widderstein mit seinem Grat, der zum Bärenkopf führt. Im Hintergrund der große Widderstein.
Im Vordergrund der Kleine Widderstein mit seinem Grat, der zum Bärenkopf führt. Im Hintergrund der große Widderstein.

Als wir den Grat des Kleinen Widdersteins erreichten begann auch die Kletterei, die insgesamt sehr moderat und im ersten bis höchstens stellenweise zweiten Grat UIAA stattfindet. Einen einzig richtigen Weg zum Gipfel gab es dabei nicht, viel mehr war es so, dass wohl jede Rinne und jede Querung irgendwie zum Gipfel führte. Die Orientierung ist dabei nicht ganz unwichtig, aber da das Gelände viele alternative Wege auf den Gipfel zulässt, fällt sie auch nicht zu schwer. Es gibt auf dem Weg zum Hauptgipfel mindestens eine ausgesetzte Platte, die allerdings nicht sehr schwer zu überklettern ist. Anbsonsten weitgehend leichtes Gelände im ersten Grat, wobei jedoch auf lose Griffe und Tritte geachtet werden mussten, denn schließlich waren wir alpin unterwegs. In den meisten Passagen liegt auch noch ein bisschen loses Geröll, so dass ein Helm absolute Pflicht und etwas Abstand beim Steigen empfehlenswert ist.

Der Grat zum Hauptgipfel des Kleinen Widderstein im Gegenlicht. Leichte Kletterei in tollem Gestein sorgen für Freude!
Der Grat zum Hauptgipfel des Kleinen Widderstein im Gegenlicht. Leichte Kletterei in tollem Gestein sorgen für Freude!
Blick vom Grat des Kleinen Widderstein in Richtung Osten. Im Vordergrund Elferkopf und Liechelkopf, dahinter angedeutet die Trettachspitze als kleine Zacken am Horizont.
Blick vom Grat des Kleinen Widderstein in Richtung Osten. Im Vordergrund Elferkopf und Liechelkopf, dahinter angedeutet die Trettachspitze als kleine Zacken am Horizont.
Blick auf den grünen Bergrücken des Bärenkopfs im Vordergrund, dahinter das Plateau des Hohen Ifen.
Blick auf den grünen Bergrücken des Bärenkopfs im Vordergrund, dahinter das Plateau des Hohen Ifen. Hinter dem Bärenkopf verläuft das Kleinwalsertal.

Den Gipfel hatten wir rasch und ohne weitere Probleme erreicht. Zur Orientierung reichte es uns, dem Grad so gut es geht zu folgen und immer wieder dort entlang zu klettern, wo die nächsten einsehbaren Klettermeter am besten aussahen. Oben angekommen trugen wir uns um Gipfelbuch ein und stellten fest, dass manch einer den Gipfel fast täglich besteigt. Nach mehr als 20 Besteigungen hörte ich dann bei einem Namen mit dem Zählen auf. Ansonsten ist der Gipfel nicht sehr überrant und wir hatten entsprechend wäährend des Aufstiegs unsere Ruhe. Vom Gipfel aus hatten wir ein schönes Panorama und natürlich schauten wir uns auch den Weg an, der zur Überschreitung noch vor uns lag. Vom Gipfel aus sah er deutlich schwerer aus, als er dann letztlich war.

Blick vom Gipfel des Kleinen Widdersteins hinüber zum Großen Widderstein. Beide Gipfel sind durch eine Scharte, das Karlstor, verbunden. Das Karlsrot ist an der grünen Flanke in der Bildmitte gut zu erkennen.
Blick vom Gipfel des Kleinen Widdersteins hinüber zum Großen Widderstein. Beide Gipfel sind durch eine Scharte, das Karlstor, verbunden. Das Karlsrot ist an der grünen Flanke in der Bildmitte gut zu erkennen.
Die ersten Meter ab dem Gipfel des Kleinen Widdersteins in Richtung Karlstor sehen rassiger aus, als sie letztlich sind. Wer erst schaut, bevor er klettert, findet rasch den richtigen Weg.
Die ersten Meter ab dem Gipfel des Kleinen Widdersteins in Richtung Karlstor sehen rassiger aus, als sie letztlich sind. Wer erst schaut, bevor er klettert, findet rasch den richtigen Weg.
Westliche Seite des Grats zwischen Gipfel des Kleinen Widdersteins und dem Karlstor. Zahlreiche Wege führen zum Ziel.
Westliche Seite des Grats zwischen Gipfel des Kleinen Widdersteins und dem Karlstor. Zahlreiche Wege führen zum Ziel. Am rechten Bildrand ist mit der grünen Fläche der südliche Gipfel des Kleinen Widdersteins zu erkennen.

Auch den südlichen Gipfel des Kleinen Widdersteins erreichten wir rasch. Wie schon auf dem Hinweg mussten wir stets etwas schauen, wo es für uns am schönsten zu klettern war, aber letztlich gab es dank zahlreiche Möglichkeiten zum Fortkommen immer einen schönen Weg zu klettern. Der zweite Teil des Überschreitung war, so wie wir in wählten,  minimal schwerer als der erste, mit etwas mehr Geröll durchsetzt und gefühlt nur an zwei Stellen im zweiten Grat und ausgesetzt.

Der Große Widderstein in der Bildmitte, am linken Bildrand das grasige Karlstor.
Der Große Widderstein in der Bildmitte, am linken Bildrand das grasige Karlstor.
Im Vordergrund der Gipfelgrat des Kleinen Widderstein, links daneben im Hintergrund das Kleinwalsertal und noch weiter links im Vordergrund der grasige Rücken des Bärenkopfs.
Im Vordergrund der Gipfelgrat des Kleinen Widderstein, links daneben im Hintergrund das Kleinwalsertal und noch weiter links im Vordergrund der grasige Rücken des Bärenkopfs.
Vom Südgipfel aus betrachtet das Bärgunttal im linken Bildtteil und im rechten der grasige Bärenkopf.
Vom Südgipfel aus betrachtet das Bärgunttal im linken Bildtteil und im rechten der grasige Bärenkopf. Leicht rechts der Bildmitte der Hohe Ifen und am rechten Bildrand (abgeschnitten) das Kleinwalsertal Richtung Oberstdorf.

Vor uns lag nun der unangenehmste Teil der Tour: Der Abstieg vom Karlstor zum Bärgunttal. Der Abstieg erinnerte mich sehr an das Geröll des Abstiegs vom Watzman Südgipfel ins Wimbachgries und ich musste permanent überlegen, welcher Abstieg wohl hässlicher sei. Zu einer scbhließenden Meinung kam ich nicht, aber es sei an dieser Stelle gesagt, dass der Abstieg durch steiles Geröll erfolgt und jeder Schritt gut gewählt sein sollte. Wenn man sich an Wikipedia hält, würde ich von Schrofengelände im Bereich T5 sprechen.

Abstieg vom Karlstor zurück zum Bärgunttal und zur Alpe Widderstein durch ein Kar mit steilem Schrofengelände.
Abstieg vom Karlstor zurück zum Bärgunttal und zur Alpe Widderstein durch ein Kar mit steilem Schrofengelände.
Das Schrofengelände zwischen Karlstor und Bärgunttal - mal mit, mal ohne Gras, mal steil, mal flacher. Alles, was beim Abstieg einer Tour die Vorfreude auf das Bier an der Alpe steigen lässt...
Das Schrofengelände zwischen Karlstor und Bärgunttal – mal mit, mal ohne Gras, mal steil, mal flacher. Alles, was beim Abstieg einer Tour die Vorfreude auf das Bier an der Alpe steigen lässt…

Zurück an der Alpe Widderstein legten wir ersteinmal die Beine hoch, löschten unseren Durst und wenige Minuten später waren wir auch schon wieder im Auto auf dem Rückweg. Der gestaltete sich leider etwas zäh, denn im Kleinwalsertal gab es stockenden Verkehr und später auf der A6 standen wir auch über eine Stunde im Stau. Zeit genug sich über die gelungene Tour zu freuen.

Nachstehend der nachgezeichnete Verlauf der Tour (kein Track!), sowie noch ein paar Informationen.

  • Das Parken in Baad kostet 3 EUR pro Fahrzeug und Tag.
  • Rund 1500 Höhenmeter in jeder Art von Gelände: Wanderweg bis zur Alpe Widderstein, Grasflanken am Bärenkopf, Kletterei bis II UIAA am Kleinen Widderstein und Schrofen ab dem Karlstor.
  • Die Überschreitung lässt ab dem Karlstor auch die Überschreitung hin zum Großen Widderstein zu (III UIAA).
  • Die neue AV Karte Bayrische Alpen BY 2 Kleinwalsertal aus dem Jahr 2013 im Maßstab 1:25 000 deckt das Gebiet ab, uns reichte eine grobe Übersicht.
  • Es gibt zahlreiche Wege um am Grat zu kraxeln. Hier hilft keine Karte, sondern ein bisschen Gespür. Und wenn man sich stets die nächsten Meter soweit einsehbar anschaut, findet man auch einen geeigneten Weg. Gilt auch für den grasigen Aufstieg zum Bärenkopf und dem Abstieg ab dem Karlstor.
  • Kletterei weitgehend im Bereich I, Einzelstellen bis  II oder III und je nach Wegfindung vielleicht auch ein bisschen mehr.
  • Gestein für alpine Verhältnisse weitgehend fest, stellenweise mit losem Geröll. Wer sichern muss findet auch Köpfel für Schlingen. Aber eigentlich sollte man dieses Gelände frei klettern (können).

Alles in allem eine sehr lohnende Tour für alle Freunde der Kraxelei!

In diesem Sinne

Martin

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