Bücher, in denen es um das Klettern und Bergsteigen geht gibt es viele, aber da ich nicht nur Freizeitkletterer und -bergsteiger, sondern auch noch als Naturwissenschaftler in den Lebenswissenschaften zu Hause bin, hat das Buch Mit Eispickel und Stethoskop: Als Höhenmediziner auf die Gipfel der Welt von Oswald Oelz gleich in zweifacher Hinsicht mein Interesse geweckt.

Worum geht es?

Um das bewegte Leben von Oswald Oelz – ein Name der verbunden ist mit Expeditionen zu den höchsten Bergen der Erde, denn als Mediziner und Bergsteiger in Personalunion war er natürlich ein gern gesehener Begleiter, zum Beispiel zum Mount Everest und Manaslu, wo er unter anderem mit Reinhard Karl und Reinhold Messner aktiv war. Diese Besteigungen finden auch ihren Platz im Buch, welches in Oswald Oelz‘ Kindheit startet und nicht nur die Laufbahn als Bergsteiger, sondern auch die Karriere als Mediziner erzählt – immerhin nutzte er phasenweise seine Passion für die Berge, um sie mit dem Broterwerb und Forschung im Bereich der Höhenmedizin zu kombinieren. Oswald Oelz verbrachte zum Beispiel einige Zeit auf der Regina Margherita Hütte (4554 m), um dort an Therapien zum Höhenhirn- und vor allen Dingen Höhenlungenödem zu arbeiten. Auf die Ergebnisse geht er im Buch natürlich nicht im Detail ein, aber sie sind mittlerweile Teil der gängigen Therapie dieser Erkrankungen geworden und wurden anderweitig publiziert (hier die Originalarbeit). Am Ende des Buches finden sich noch ein paar wenige und auch für den Laien verständliche Informationen zu den drei großen medizinischen Problemen beim Bergsteigen, sprich der akuten Bergkrankheit, dem Höhenhirn- und Höhenlungenödem.

Was die Berge angeht start Oswald Oelz wie eingangs erwähnt in seiner Kindheit und erzählt ausgiebig von den großen Expeditionen in den 70er und 80er Jahren, wobei Oswald Oelz auch nicht davor zurückschreckt von Niederlagen, Rückzügen und Notlagen zu schreiben. Schon im Prolog greift er voraus und er erzählt vom Besteigungsversuch des Cho Oyu (8201 m), mit dem gescheiterten Versuch sein eigenes Höhenlungenödem mit einer neuartigen Idee zu therapieren. Sein Versuch führte nach kurzzeitiger Besserung letztlich zu einem Höhenhirnödem und Oswald Oelz wurde im letzten Moment in lebensrettende Gefilde mit dicker Luft abtransportiert. Auch die Ausflüge in die Karriere als Mediziner sind interessant zu lesen, nicht nur weil Oswald Oelz immer wieder die Höhenmedizin zum Thema seiner Arbeit gemacht hatte, sondern auch weil es spannend und teilweise mit einer Mischung aus Schmunzeln und Kopfschüttel zu lesen ist: Anfang der 90er Jahre bewarb sich Oswald Oelz als Chefarzt und es wurden Intrigen hinter seinem Rücken gesponnen. Wegen seiner merhfachen Aufenthalte in großer Höhe wurde an seinem Verstand und seiner Eignung für eine solche Position gezweifelt. Doch wie bei vielen Gipfeln zuvor nahm er auch diese Herausforderung an und erreichte letztlich sein Ziel.

Wie ist es geschrieben?

Das Buch liest sich kurzweilig und ist abwechslungsreich geschrieben. Sprachlich ist es angenehm einfach gehalten und bis auf wenige Passagen am Ende setzt Oswald Oelz auch nicht zu philosophischen Interpretationen des Bergsteigens an. Im Vergleich zu anderer Bergliteratur findet sich auch kein Überfluss an alpinistischen Fachausdrücken für diverse Techniken oder Ausrüstungsgegenstände und auch bei den Begehungen wird nicht jeder Tritt und jeder Griff kommentiert. Auf 16 Seiten gibt es farbige Abbildungen und weitere 1717 kleine Schwarz-Weiß-Fotos lockern den Text auf und illustrieren seinen gut geschriebenen Geschichten aus der Senkrechten.

Fazit

Das Buch kann ich ruhigen Gewissens empfehlen. Nicht nur, weil es sich gut liest und mit dem Bergsteigen und den Ausflüge in die Höhenmedizin zwei interessante Aspekte hat, sondern auch, weil es ein Stück der Geschichte des Bergsteigens dokumentiert: Oswald Oelz war in den 70er und 80er Jahren dabei, als Reinhold Messner Geschichte schrieb und ist, so Der Spiegel laut Rückseite des Buches, eine der schillerndsten Figuren der Alpinistenszene.

Als Taschenbuch erschien das Werk am 16. Juli 2013 im National Geographic Taschenbuch Verlag (Malik) und ist für knapp 15 EUR mit der ISBN 978-3492405201 zu erhalten.

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