Bisher hatte ich es in meiner kurzen Laufbahn als Kletterer noch nicht geschafft an Sandstein zu klettern, so dass es nun höchste Zeit wurde dies zu ändern. Ziegelhausen war das Ziel, denn dort im südlichen Odenwald gibt es mehrere Sektoren alter Steinbrüche, die zum Klettern freigegeben sind. Zumindest teilweise, denn von den drei Sektoren ist einer teilweise komplett gesperrt und teilweise gilt noch eine saisonbedingte Sperrung. Wir hatten den Ziegelhausener Sektor 2 ins Auge gefasst und um es gleich vorweg zu nehmen: Durch die S-Bahn Rhein Neckar kann man diesen Sektor sehr bequem mit dem ÖPNV erreichen. Vom S-Bahnhof Schlierbach/Ziegelhausen aus ist man in gut 30 – 40 Minuten zu Fuß  am Wandfuß. Noch etwas schneller geht es, wenn man das Fahrrad mit in die S-Bahn nimmt, so wie ich es tat.

Blick von der Neckarbrücke nach Ziegelhausen auf der nördlichen Neckarseite. Die Sandsteinfelsen sind durch das dichte Laub nicht zu erkennen, verstecken sich aber am Hang über dem rechten Boot.
Blick von der Neckarbrücke nach Ziegelhausen auf der nördlichen Neckarseite. Die Sandsteinfelsen sind durch das dichte Laub nicht zu erkennen, verstecken sich aber am Hang über dem rechten Boot.

Durch die Temperaturen von knapp über 30 °C im Schatten waren wir bei der Ankunft am Fels, zu dem man ein paar Meter aufsteigen muss, klatschnass. Immerhin gab es vor Ort ein wenig Schatten und dort konnte man es auch ganz gut aushalten. Für mich als Sandstein-Novize gab es schon direkt am Wandfuß eine erste Neuerung: Dort ist alles ziemlich sandig. Ja, der Name des Gesteins lässt grüßen. Der Boden ist durch den Abrieb und die Erosion des Fels sogar so sandig, dass die lokalen Kletterer sich eine kleine Vorrichtung gebaut haben, damit sie ihre teure Ausrüstung nicht im Sand sortieren müssen:

Eine kleine Stahlkonstruktion und schon muss man sein Material nicht im Sand des Wandfuß sortieren.
Eine kleine Stahlkonstruktion und schon muss man sein Material nicht im Sand des Wandfuß sortieren.

Der Sektor II in Ziegelhausen besticht durch eine zentrale Wandpartie, die zwar leicht geneigt ist, allerdings in einem großen ausladenden Dach nach oben hin endet. Links und rechts neben diesem Dach finden sich ebenfalls noch einige Routen.

Die linke Partie des Sektors II in Ziegelhausen.
Die linke Partie des Sektors II in Ziegelhausen.
Wenn mann ganz genau hinsieht, erkennt man in der Bildmitte eine schwarze, lange Struktur. Dies ist kein Riss, sondern ein Baum und dieser ist fester Bestandteil der Route Tarzan.
Wenn mann ganz genau hinsieht, erkennt man in der Bildmitte eine schwarze, lange Struktur. Dies ist kein Riss, sondern ein Baum und dieser ist fester Bestandteil der Route Tarzan.

 

Blick von unten in das zentrale Dach des Sektors.
Blick von unten in das zentrale Dach des Sektors. Am rechten Bildrand sieht man einen Baum im Dach, der tatsächlich fester Bestandteil der Route Tarzan ist.
Am linken Rand des zentralen Dachs findet sich famose Kletterei an Löchern aller Größen.
Am linken Rand des zentralen Dachs findet sich famose Kletterei an Löchern aller Größen.
Das zentrale Dach des Sektors Ziegelhausen. Am rechten Bildrand kann man einen Baum im Dach entdecken. Dieser ist tatsächlich fester Bestandteil einer Route!
Das zentrale Dach des Sektors Ziegelhausen. Am Rand des Dachs kann man einen Baum entdecken. Dieser ist tatsächlich fester Bestandteil einer Route!

Alle Routen sind sehr gut abgesichert und im Nachhinein muss ich sagen, dass ich glaube ich noch nie so gut gesicherte Routen gesehen habe, wie hier (ok, ich bin ja auch was das Klettern angeht auf der schwäbischen und fränkischen Alb groß geworden – und war bisher noch nie Arco). Friends und Keile sind wirklich nur Ballast und können für diesen Sektor definitiv zu Hause bleiben. Allerdings sollte man auch mindestens den sechsten Grad sicher beherrschen, denn leichtere Routen gibt es nicht.

Anfangs tat ich mich mit dem Sandstein noch etwas schwer, denn schließlich fühlt sich das Gestein deutlich anders als Porphyr oder der mir so bekannte Kalkstein an. Aber ich muss sagen, dass ich Gefallen am Sandstein gefunden habe: Es gibt quasi überall Tritte, denn man kann praktisch immer auf Reibung treten – wenn man sich denn traut. Auch für die Hände bietet der Sandstein Vorzüge, denn die Fingerlöcher sind in der Regel nicht so scharfkantig wie am Kalkfelsen. Und es gibt flache Auflieger in allen Neigungen.

Zwar war es wirklich drückend heiß, aber wie erwähnt gab es Schatten am Wandfuß und auch einige Partien der Wand lagen schattig, so dass wir noch gut klettern konnten. Belohnt wurden wir für die Schwitzerei mit herrlichen Routen. Es fällt mir wirklich schwer, die schönste Route des Tages zu küren, aber ich glaube Siddartha (7-),  Jahrundtagdach (7-) und Ruckzuck (6+) sollte sich niemand entgehen lassen. Herrlich abwechslungsreich, einfach toll! Außerdem sollte man einmal Tarzan (6) gemacht haben. Wir konnten es ja nicht glauben, aber ein lokaler Kenner der Felsen hat uns versichert, dass der Baum darin integraler Bestandteil der Route ist. Nomen es omen… entsprechend hangelt man sich an einem Baum durch das Dach! Dieser ist übrigens mit einer (maroden) Schlinge zusätzlich fixiert.

Ein Thema möchte ich an dieser Stelle noch gerne ansprechen, da ich es in der Route Ruckzuck leider wieder einmal gesehen habe: Am Ende der Route befindet sich kein dedizierter Umlenker, sondern lediglich ein (großer) Bühler. Dieser ist leider schon ziemlich abgewetzt, was daher kommt, dass dieser regelmäßig zweckentfremdet wird und Kletterer an diesem Topropes einfädeln, ohne hierzu eigene Karabiner zwischenzuschalten. Allerdings kann man die Haken am Fels im Gegensatz zur Halle nicht einfach tauschen und daher sollte jeder Kletterer versuchen zu vermeiden, die Haken unnötig zu abzunutzen. Daher: Grundsätzlich richtet man am Fels Topropes nur mit eigenem Material ein, das heißt man lenkt das Seil nie an den vorhandenen Haken um. Außerdem sollte wenn immer möglich abgeseilt und nicht abgelassen werden (de facto also immer). Die statische Belastung ohne Reibung vermindet den Verschleiß erheblich und so müssen die lokalen Sanierer und Kletterer weniger Aufwand in den Erhalt der Sicherungen investieren.

Noch ein paar wenige Stichworte zum Klettern in Ziegelhausen:

  • Kletterführer Odenwald – aus dem Panico Verlag, die nächste Auflage steht zum Zeitpunkt dieses Eintrags kurz vor der Tür
  • Sehr gut mit der S-Bahn zu erreichen: Haltestelle S-Bahnhof Schlierbach/Ziegelhausen für die Sektoren I+ II sowie Haltstelle S-Bahnhof Heidelberg Orthopädie für Sektor III
  • Auch mit dem Fahrrad ist der Sandstein gut zu erreichen – und die S-Bahn nimmt auch Fahrräder mit

In diesem Sinne

Martin

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