That’s Ith – Klettern im Norden

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Leider war ich in der letzten Zeit viel zu wenig zum Klettern gekommen, doch das verlängerte Wochenende des ersten Mai wollte ich mir auch durch das schlecht angekündigte Wetter nicht nehmen lassen. So saß ich am Tag der Arbeit also mit meinem Kletterpartner im Auto und fuhr durch durch den strömenden Regen in den Norden, wo wir uns am Ith mit einer zweiten Seilschaft verabredet hatten. Treffpunkt war der Campingpark Humboldt-See, der etwas mehr Infrastruktur als der eigentliche Campingplatz der Kletterer, der Ith Zeltplatz,  bietet. Gerade bei schlechtem Wetter ist dies von Vorteil, aber auch bei gutem Wetter gibt es mit dem Humboldtsee natürlich auch die Möglichkeit zur Erfrischung. Unsere Zelte bauten wir auf der nach dem Regen triefend nassen Wiese auf und am nächsten Morgen wachten wir bei Temperaturen um die fünf Grad in tiefem Nebel auf.

Nebelmeer über dem Ith - bestes Kletterwetter sieht anders aus!
Nebelmeer über dem Ith – bestes Kletterwetter sieht anders aus!

Es folgte ein Frühstück bei Bäcker Bohne in Salzhemmendorf (empfohlen seien an dieser Stelle die Nussecken) und im Anschluss machten wir uns auf zu den Lüerdisser Klippen. Bei normalem Wetter sind diese überlaufen, was am kurzen Zustieg, der großen Auswahl an Felsen (deutlich mehr als zwanzig) und der Nähe zum Ith Zeltplatz liegt, aber dieses Problem hatten wir beim Zusteig nicht, denn dazu war das Wetter schlicht und ergreifend zu schlecht – wir hatten schon Sorge, ob wir überhaupt bis zum ersten Haken sehen würden…

Beim Zustieg zu den Lüerdisser Klippen.
Beim Zustieg zu den Lüerdisser Klippen.

Unsere Wahl fiel bei der großen Zahl an Massiven auf die in unmittelbarer Nachbarschaft stehenden Felsen Kästchen, Mauerhakenturm und Mauerhakenmassiv, bei welchen erst kurz vor unserer Ankunft die Sperrungen wegen Vogelbrut aufgehoben wurden.

Das Mauerhakenmassiv im südlichen Ith.
Das Mauerhakenmassiv im südlichen Ith.
Das Kästchen, direkt neben dem Mauerhakenmassiv.
Das Kästchen, direkt neben dem Mauerhakenmassiv.
Blick vom Mauerhakenmassiv auf den linken Wandteil (hier rechts) des Mauerhakenmassivs.
Blick vom Mauerhakenmassiv auf den linken Wandteil (hier rechts) des Mauerhakenmassivs.

Die von uns ausgesuchten Felsen bieten zahlreiche einfache Routen, sind gut abgesichert und zu meiner großen Überraschung sind auch die leichten Routen an diesem Dolomit/Kalk-Fels nicht oder nur wenig abgegriffen. Obwohl es am Vortag heftig geregnet hatte und die Luft mit Nebel mehr als gesättigt war, konnten wir alle Routen klettern und fanden kaum feuchte Stellen. Im Sommer bieten die Bäume über den Felsen sicherlich guten Schutz vor der Sonne – ein Problem, das wir jedoch leider nicht hatten. Sehr zu empfehlen sei an dieser Stelle die Route O-Wändchen (6+/7-) am Kästchen: Leider nur sehr kurz, aber unheimlich schöne Züge und ein toller Einstieg.

Am Ende des Tages waren wir richtig durchgefroren und da uns klar war, dass der Humboldtsee am Campingplatz keine Option war, um den Tag ausklingen zu lassen, musste eine Alternative her, die wir auch schnell fanden: Die Ith Sole Therme: Bei 36 °C legten wir unsere geschundenen Körper in 6 % Schwefelsole ein und konnten uns noch einmal ordentlich aufwärmen, bevor wir auf dem Weg zurück zum Zelt im Radio hören mussten, dass für die anstehende Nacht vor Bodenfrost gewarnt wurde…

Für die kalte Nacht belohnt wurden wir mit herrlichem Wetter am nächsten Tag, welches wir bei den Levedagser Klippen an einem Massiv namens Zirkus nutzen. Der Name dort ist Programm, denn dank der einfachen Routen im rechten Wandteil fanden sich dort bei bestem Kletterwetter auch einige Familien und auch zwei Kletterkurse war am Fels – zum Glück nacheinander.

Das Felsmassiv Zirkus bei Levedagsen.
Das Felsmassiv Zirkus bei Levedagsen.

Der Großteil der Routen, auch hier an Dolomit/Kalk, ist gut gesichert und es gibt zahlreiche Routen in den unteren und mittleren Graden. Der Zustieg ist recht kurz und weil der Wandfuß eben ist und die Routen auch leicht sind, bietet sich der Fels  für Familien an. Interessant ist vor allen Dingen der linke mittlere Teil des insgesamt recht niedrigen (10 m) Felsmasivs, denn hier beginnen alle Routen mit einem kleinen Überhang, da das Gestein im unteren Bereich ausgespült wurde. Der Ausklemmer (6+) war für mich die schönste Route am Fels, wobei die Einstiege der Routen im linken Teil alle ebenfalls spannend sind, da es mit ein oder zwei Boulderzügen den Überhang zu überklettern gilt. Die für mich am wenigsten schöne Route war Prowo (7+). Diese geht durch das auf obigem Foto sichtbare Dach und die Position des letzten Hakens vor dem Dach ist leider etwas ungünstig, denn bei meinem Versuch das Dach zu durchklettern legte ich einen Sturz hin (man sieht die Griffe eben nicht, da kommt das schon mal vor) und prellte mir das rechte Sprunggelenk. Vorsicht also, wenn der letzte Haken vor einem Dach in der Wand liegt, und nicht unterhalb des Dachs gebohrt wurde! Das kann zu unerwartet hartem Anprall wegen der Pendelbewegung im Sturz führen!

Kurz vor meinem Abflug aus der Route Prowo (7+).
Kurz vor meinem Abflug aus der Route Prowo (7+).

Das Wetter für den Sonntag war schlecht angekündigt und in Kombination mit dem geprellten Sprunggelenk war es nur sinnvoll, dass wir am Samstag noch die Heimreise antraten. Der Ith selbst bietet zahlreiche Felsen und wir konnten nur einen ganz, ganz kleinen Teil davon besuchen, aber die Kletterei hat mir gefallen und trotz der etwas widrigen Bedingungen am ersten Tag hatten wir großen Spaß im größten und meistfrequentierten Klettergebiet im hohen Norden. An dieser Stelle noch ein paar Informationen in Form von weiterführenden Links zum Gebiet:

  • Hoch im Norden – der im Panico Verlag erschienene Führer zum Klettergebiet Ith (und auch noch den Felsen drum herum), erschienen im Februar 2013
  • Freiklettern Podcast mir Arne Grage – Arne Grage, Autor des Topoführers Hoch im Norden als Interviewpartner
  • Ith Sole Therme – mein absoluter Tipp für den Ausklang jedes Klettertags bei nur wenigen Plusgraden
  • Ith Zeltplatz – der Zeltplatz für Kletterer in unmittelbarer Felsnähe
  • Campingpark Humboldt-See – eine der möglichen Alternativen zum Ith Zeltplatz – mit Badesee, für die warmen Tage
  • IG Klettern Niedersachsen – aktuelle Informationen zum Gebiet und zu Sperrungen

So schnell habe ich nicht vor wieder in den Norden zu fahren, aber eines habe ich auf jeden Fall gelernt: Man kann in Norddeutschland durchaus schön am Fels klettern.

In diesem Sinne

Martin

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