Endlich. Endlich habe ich es geschafft in den Steinbruch nach Schriesheim zu gehen, um dort zu klettern. Zwar sehe ich seit meinem Umzug in die Metropolregion Rhein-Neckar den Steinbruch jeden morgen von meinem Schlafzimmer aus, aber irgendwie gab es dennoch immer ein Problem, entweder mit Wetter oder Terminplan. Doch am letzten Wochenende war es dann soweit und rund drei Jahre nach meinem ersten Besuch fand ich mich am Fuße des ehemaligen Steinbruchs wieder. Zum Schriesheimer Steinbruch ist zu sagen, dass hier an Porphyrgestein geklettert wird, welches bis 1967 durch Sprengungen abgebaut wurde. Der dadurch entstandene Steinbruch besteht aus vier Wandstufen, jeweils etwa 10 – 30 m hoch, an welchen geklettert werden darf und welche durch kleine, kurze Klettersteige miteinander verbunden wurden. Wichtig ist zu wissen, dass alles als Naturschutzgebiet ausgewiesen ist und man sich peinlichst genau an die entsprechenden Regeln halten sollte. Es darf nicht überall geklettert werden und bestimmte Bereiche dürfen nicht betreten werden, aber es hat dennoch eine phänomenale Auswahl von mehr als 240 Routen (laut DAV Felsinfo) vom dritten bis zum neunten Grad. Mein Ziel ist es jetzt natürlich, alle diese Routen während meiner Zeit in Heidelberg einmal zu klettern. OK, was die oberen Schwierigkeitsgrade angeht ist mir das momentan noch nicht möglich, aber man braucht ja Ziele…

Vielleicht aber noch ein oder zwei Worte zum Steinbruch. Der Großteil, die Wandstufen zwei bis vier, ist quasi vollkommen nach Südwesten ausgerichtet. Wer also an einem warmen Sommertag anrückt, wird sich in der Hitze ganz schön quälen. Das hat aber natürlich den Vorteil, dass man an schönen Wintertagen, nicht so empfindliche Finger wie ich sie habe vorausgesetzt, aber auch noch klettern kann. Außerdem muss man wissen, dass der Steinbruch natürlich kein Geheimtipp ist und man an schönen Wochenenden mit viel Andrang rechnen muss. Und man sollte sich den Namen noch einmal auf der Zunge zergehen lassen. Steinbruch. Also Stein und eben Bruch – und vor allen Dingen die zweite Silbe sollte man im Hinterkopf behalten. Ein Helm ist absolute Pflicht, denn es wurde früher eben viel mit Sprengstoff gearbeitet und nicht alles über Millionen von Jahren ausgewaschen…

Wir starteten unseren Ausflug direkt mit der untersten Wandstufe, welche sich vom Charakter wie ich finde etwas von den oberen Stufen unterscheidet, da sie ziemlich glatte Kletterei entlang von Rissen bietet. Insgesamt gibt es in Schriesheim bedingt durch Gestein und Entstehung einige Risse, aber im unteren Bereich heißen die Sektoren nicht umsonst Fingerriss und Tannenriss.

Glatte Wände im Sektor Tannenriss.
Glatte Wände im Sektor Tannenriss.

Wie schon erwähnt sollte man in Wandnähe stets einen Helm tragen, sowohl Sichernder als auch Kletterer. Ein gutes Beispiel für brüchigen Fels ist zum Beispiel die Route Krawallkamin (6). Zum Einstieg sieht man eine schöne Schuppe, doch wenn man sich an diese krallt stellt man fest, dass diese bei Zug etwas nachgibt und nicht mehr fest sitzt. Weiter oben geht es dann in einen Kamin, dessen unteres Ende einer Kiesgrube ähnelt. Dann gibt es unter Umständen den namensgebenden Krawall. Auch wenn am oberen Ende der Routen in der Regel die nächste Wandstufe wartet…

Blick vom oberen Ende der Routen der untersten Wandstufe auf die höher gelegenen Wandstufen.
Blick vom oberen Ende der Routen der untersten Wandstufe auf die höher gelegenen Wandstufen.

…gibt es dennoch ein Ausstiegsverbot, an das man sich halten sollte. Um die einzelnen Wandstufen zu überwinden wurden nämlich extra kleine Klettersteige angelegt, wie man auf den nachstehenden Bildern beim Übergang von der zweiten zur dritten Wandstufe erkennen kann.

Leichte Kraxelei führt zur dritten Wandstufe.
Leichte Kraxelei führt zur dritten Wandstufe.
Übergang von der zweiten zur dritten Wandstufe (rechts) mit Kletterrouten der zweiten Wandstufe links im Bild.
Übergang von der zweiten zur dritten Wandstufe (rechts) mit Kletterrouten der zweiten Wandstufe links im Bild.
Der "Second Step" Schriesheims: Die Leitern von der zweiten zur dritten Wandstufe.
Der „Second Step“ Schriesheims: Die Leitern von der zweiten zur dritten Wandstufe.

Auf diese Leitern komme ich später (leider) wieder zurück. Von den oberen Stufenn hat man ein herrliches Panorama über die nördliche Rhein- und Neckarebenebene, nach Westen zu den Kaminen der Mannheimer Fabriken und Kraftwerke, sowie natürlich auch bis nach Ludwigshafen, zur BASF. Außerdem zeichnet sich am Horizint der Pfälzer Wald ab, wobei wir wegen der Hitze etwas wenig Fernsicht hatten. Aber auf den nachstehenden Bildern wird schnell klar, warum man im Sommer mit der Hitze zu kämpfen hat – kein Baum weit und breit, dazu muss man schon auf den unteren Ebenen bleiben.

Blick entlang der dritten Wandstufe, oberhalb davon die vierte.
Blick entlang der dritten Wandstufe, oberhalb davon die vierte.
Dritte und vierte Wandstufe im Schriesheimer Steinbruch
Dritte und vierte Wandstufe im Schriesheimer Steinbruch

Bei bestem Wetter konnten wir den Steinbruch genießen und zum späteren Nachmittag hin verliesen zahlreiche Kletterer auch das Gebiet, so dass wir sogar unsere Ruhe hatten. Die schönsten Routen des Tages (des Steinbruchs kann ich leider noch nicht sagen, da ich ja erst damit begonnen habe hier zu klettern) waren Starthilfe (7+) als Direkteinstieg zur Musterkante (6), mit unheimlich schönen Zügen und kurzem Bouldereinstieg direkt am Eingang zum Steinbruch (wobei der Grad vielleicht etwas überbewertet ist)…

Starthilfe (7+) als Direkteinstieg zur Musterkante (6)
Starthilfe (7+) als Direkteinstieg zur Musterkante (6)

… sowie die Wilzkante (6+/7-), welche feinste Plattenkletterei bietet (dritte Wandstufe, Sektor Mannheimer).

Wilzkante (6+/7-), zunächst der Kante folgend, danach auf der Platte entlang.
Wilzkante (6+/7-), zunächst der Kante folgend, danach auf der Platte entlang.

Am Ende des Tages hatte wir nicht nur ein paar schöne Routen geklettert, sondern hatten uns sogar noch ein wenig um den Steinbruch gekümmert: Mein Kletterpartner hatte eine Bohrhakenlasche ersetzt und ich habe Müll eingesammelt und zu Hause entsorgt. Warum viele Kletterer einfach ihre gebrauchten Tapestreifen in der Natur liegen lassen ist mir ein absolutes Rätsel und ich habe dafür auch keinerlei Verständnis. Der Unrat hat in der Natur nichts zu suchen!

Noch weniger Verständnis hatte ich aber für das, was ich leider auf dem Rückweg beim Abstieg über die Leitern auf dem kleinen Klettersteig zwischen Stufe drei und zwei sehen musste: Wir beugten uns über die Treppe und wollten absteigen, da sehen wir wenige Meter unter uns und zwei kleine Kinder, geschätzt das eine Kind fünf und das andere Kind zehn Jahre alt, die ohne Eltern im Steig unterwegs waren. Beide trugen zwar einen Klettergurt, waren aber nur durch eine Bandschlinge „gesichert“, an deren Ende ein Expressset und ein Karabiner hing – von den Eltern fehlte jede Spur, wie übrigens auch von einem Helm. Uns blieb der Atem stehen und nachdem die beiden die letzten Züge gemacht hatten erkundigten wir uns nach den Eltern, die irgendwo auf der zweiten Wandsrufe waren. Normalerweise mische ich mich nicht ein, wenn andere beim Klettern Dinge tun, die ich nicht nachvollziehen kann, aber das war zuviel und ich versuchte dem Vater, der dabei war die Mutter mit einem Achter (!) zu sichern, zu erklären, dass so etwas einfach nicht geht und grob fahrlässig sei. Zwar war ich schon entsetzt, dass ich die Kinder überhaupt in so einer Situation angetroffen habe, aber fast noch mehr entsetzt war ich über die Gleichgültigkeit der Eltern. Von diesem unschönen Ereignis abgesehen war es eigentlich ein guter Klettertag und da noch einige Routen im Steinbruch offen sind, sicherlich auch nicht der letzte in Schriesheim…

Informationen zum Gebiet:

In diesem Sinne

Martin

8 Kommentare

  1. Hey Martin,
    leider sieht man fahrlässigen Leichtsinn sehr oft, vor allem „draußen“…
    Aber ein schönes Gebiet haste da vor der Nase! Viel Spaß noch dort,
    Sven

  2. Aus zwei Aspekten heraus: Zum einen gibt es grundsätzlich kein Argument mehr, dass für die Verwendung eines Nicht-Halbautomaten in Einfachseillängen, egal ob Halle oder Fels, spricht. Hierzu wurde in den letzten beiden Jahren ausreichend diskutiert und das Sicherheitsplus durch Verwendung eines Halbautomaten überwiegt die nicht vorhandenen Nachteil – bei der Verwendung eines Halbautomaten in Einfachsseillängen kann man gegenüber einem klassischen rein dynamisch bremsenden Gerät nur gewinnen.

    Hinzu kommt, dass der Achter verglichen mit HMS und klassischem Tube recht schlechte Bremskraftwerte liefert (Walter Fimml und Michael Larcher, bergundsteigen 04/2000 bzw. auch Andreas Thomann und Chris Semmel berundsteigen 02/2007). Insbesondere beim Achter kommt es bei der Verwendung eines modernen und entsprechend dünnen Seils zur Addition zweier negativer Faktoren: Die durch den Sichernden aufbringbare Handkraft nimmt mit dem Seildurchmesser ebenso ab, wie die Bremskraft im Gerät: „Dagegen sinken die Bremskräfte vom Achter bei geringerem Seildurchmesser markant. Schlechtere Reibungswerte addieren sich hier mit den geringeren Handkräften.“

    In der Summer gibt es für mich entsprechend keinen Grund mehr, warum man zum einen in Einfachseillängen keinen Halbautomaten verwenden sollte – und wenn es schon kein Halbautomat ist, warum dann ausgerechnet einen Achter.

  3. Vielleicht ist ja der Durchlauf (bzw. der geringe Reibungswert) beim Achter gewollt? z.B. wenn man einen deutlich leichteren Partner sichert. Oder das Seil ein älteres Model und ist sehr dick dann ist die Reibung nämlich wieder deutlich größer? Fest steht: der Achter ist genau wie der Tube sicher, wenn er richtig verwendet wird. Bei Sicherungsfehlern verzeiht er (im Gegensatz zum Halbautomaten) nicht.

    Ich bin der Meinung, dass jeder so Sichern darf wie er will, solange seine verwendete Technik sicher ist.

    Anderes Beispiel: es wird mit einem der neuen Halbautomaten gesichert und dabei nicht richtig körperdynamisch gesichert (was ja gar nicht so einfach ist). Wo ist die Gefahr einer Verletzung beim Vorstiegssturz größer? Das ist sicher nicht allgemeingültig für zu sagen und hängt von vielen Faktoren ab. Insofern bin ich der Meinung, dass man gerne Sicherungsfehler kritisieren darf, aber nicht die Sicherungsgeräte an sich.

  4. Zunächst einmal vielen Dank für deinen Kommentar!

    Was das Sichern mit dem Achter angeht kann ich mich dir allerdings immer noch nicht anschließen: Ein geringerer Bremskraftwert ist zu keinem Zeitpunkt im Interesse des Vorsteigers, da auch bei sehr leichtem Vorsteiger problemlos mit Geräten gesichert werden kann, die wesentlich weniger Gefahr laufen aufgrund eines Bremskraftmangels zu versagen. Dies setzt die korrekte Bedienungn des Gerätes voraus, aber das setzt du ja ebenso beim Achter voraus. Auch ein dickes Seil kann kein Argument sein, denn es ist nicht Aufgabe des Seils die Schwächen des Sicherungsgerätes zu kompensieren. Je dünner ein Seil, desto schneller kann ich es ausgeben und auf den Vorsteiger reagieren. Wenn ich hier ein Bremsgerät verwende, das unabhängig vom Seildurchmesser gute Bremskraftwerte liefert, habe ich einen Komfortgewinn ohne Verluste bei der Sicherheit.

    Es stimmt, dass bei korrekter Verwendung Tuber und Achter durchaus sicher sein können, aber das Problem liegt darin, dass Fehler beim Sichern nicht die Ausnahme, sondern die Regel sind (siehe http://martin-outdoor.de/2014/05/verpflichtender-kletterschein/ für Quellen)! Wozu sollte ich also meinen Partner mit einem Gerät sichern, dass keinerlei Vorteile bietet und gleichzeitig geringere Sicherheitsreserven? Würde man die geringeren Sicherheitsreserven mit irgendeneinem Vorteil erkaufen, dann könnte man wenigstens noch abwiegen, aber es gibt kein einziges Argument, dass für die Verwendung eines anderen Sicherungsgerätes als eines Halbautomaten in Einseillängen spricht.

    Warum eine Kritik am Sicherungsgerät nicht zulässig sein sollte kann ich auch nicht ganz verstehen: Die Aussage „Bei korrekter Nutzung ist ein Tube sicher“ greift einfach viel zu kurz, denn sie geht von einem Ideal aus, dass in der Praxis nicht vorliegt: Es gibt Fehler beim Sichern und deshalb brauchen wir Sicherheitsreserven, die es bei Tube und Achter nicht gibt. Andres Beispiel: Autos haben Anschnallgurte. Es würde nie jemand auf die Idee kommen zu behaupten, dass ein Auto OHNE Anschnallgurte bei „korrektem Gebrauch“ sicher sei. Das mag zwar theoretisch der Fall sein, aber in der Realität haben wir eben Fälle in denen wir diese Sicherheitsreserve brauchen – wir nenen sie Unfälle. Einziges Haken an diesem Vergleich ist, dass ein Straßenverkehrsunfall häufig vorkommt, ein Unfall beim Sichern im Vergleich dazu selten. Deshalb fehlt uns das Verständnis.

    Lange Rede, kurzer Sinn: Ich fahre bei niemandem mit, dessen Auto keinen Gurt hat – auch wenn das bei korrekter Fahrweise sicher ist. Was andere machen ist mir einerlei, aber nachvollziehen kann ich es auf jeden Fall nicht ;)

  5. Hallo Martin,

    Sichern ist komplex und klar ist der Bodensturz augenscheinlich das entscheidende Kriterium, aber wenn der Sichernde nicht in der Lage ist schnell Seil auszugeben, zu Hart sichert oder das Seil nicht mehr lösen kann, dann sind das auch Sicherungsfehler, die zu Unfällen führen und geführt haben. Ganz zu schweigen von den Unfällen die passiert sind, weil die Halbautomaten suggerieren, dass die Bremshand nicht (so) wichtig ist.

    In folgenden Fälle ist meiner Meinung nach ein Gerät mit Durchlauf in 1-Seillängen besser:

    – Es kann nicht körperdynamisch gesichert werden, da das Gelände es nicht zulässt z.B. wegen Absturzgefahr oder Gefahr am Fels aufzuschlagen.

    – Jemand sehr schweres sichert jemanden sehr leichtes

    – Ein Seil welches pelzig, steif, nass, vereist und/oder > 10 mm ist

    Der Vergleich mit dem Auto hinkt ein wenig, beim Sichern ist primär der Sichernde verantwortlich und die „Gefahr von Außen“ meist deutlich kleiner, während im Straßenverkehr, die Gefahr von Außen (und damit nicht durch ein selber kontrollierbar) deutlich größer und wesentlich ist, daher der Gurt.

    Außerdem müssten nach deiner Argumentation diese Geräte in der EU verboten sein. Sind sie nicht, da sie die CE-Kennzeichnung haben und somit als sicher bei richtiger Handhabung eingestuft sind. Das Selbstsicherungsgerät „silent partner“ ist ein Beispiel für ein Gerät, welches auch bei korrekter Handhabung als unsicher eingestuft wird.

    aber wir müssten uns auch nicht gegenseitig überzeugen ;)

    Grüße,
    Oliver

  6. Doch, doch, du musst mich schon davon überzeugen, dass es einen Grund gibt in Einseillängentouren etwas anderes als einen Halbautomaten zu verwenden. Noch sehe ich keinen ;)

    Bezüglich deiner Fälle, in denen deiner Meinung nach ein Gerät mit Seildurchlauf besser sein soll:

    „Es kann nicht körperdynamisch gesichert werden, da das Gelände es nicht zulässt z.B. wegen Absturzgefahr oder Gefahr am Fels aufzuschlagen“ – Dynamik über das Gerät muss gekonnt sein und geht mit deutlich erhöhtem Risiko einher: Verschätzt man sich nur einmal mit dem Seildurchlauf, gerät das ganze Sicherungssystem außer Kontrolle – was zwangsweise im Bodenkontakt endet. Um also das Risiko Verletzungen beim Anprallen an den Fels/die Wand zu verringern, vergrößert man das Risiko eines totalen Kontroll- und Sicherungsverlustes. Das macht meines erachtens absolut keinen Sinn. Dynamisches Sichern ja, aber niemals über das Gerät, sondern immer über den Körper.

    „Jemand sehr schweres sichert jemanden sehr leichtes“ – Besteht die Möglichkeit über den Körper dynamisch zu sichern, ist dies mit dem Halbautomaten kein Problem. Besteht diese Möglichkeit nicht, gilt genau das, was ich gerade im Absatz zuvor ausgeführt habe: Man erkauft sich geringere Konsequenzen beim Sturz mit dem deutlich erhöhten Risiko eines totalen Kontroll- und Sicherungsverlustes. Für mich nicht nachvollziehbar.

    „Ein Seil welches pelzig, steif, nass, vereist und/oder > 10 mm ist“ – Wenn ich ein pelziges und steifes Seil nur dadurch nutzen kann, dass ich mögliche Reserven in meinem Sicherungssystem nicht nutzen kann und zu Sicherungsgeräten greifen muss, die weniger Reserven bieten, dann sollte ich mir schon ernsthaft die Frage stellen, ob ich das Seil überhaupt zum Klettern nutzen sollte. Dies gilt auch für Seile mit einem Durchmesser von mehr als 10 mm: Ist das Seil so schlecht im Handling, dass ich Abstriche bei der Sicherheit machen muss, weil ich bestimmte Sicherungsgeräte nicht nutzen kann, dann stimmt etwas Grundlegendes nicht. Wenn ein Seil nass und vereist ist impliziert dies, dass man nicht gerade beim Sportklettern ist, sonden alpin oder im Eis klettert. Auch hierfür gibt es diverse Halbautomaten, die die von mir erwähnten Sicherheitsreserven gegenüber klassischem Tube oder vor allen Dingen Achter haben.

    Was den Vergleich mit dem Auto angeht kommt es doch sehr auf die Perspektive an, denn der Gurt schützt nicht nur den, der angefahren wird (= „von außen“), sondern natürlich auch den, der andere gefährdert.

    Die Geräte müssten übrigens nicht verboten werden – auch eine Kennzeichnung tragen diese Geräte zurecht. Das liegt zum einen daran, dass diese Geräte mehrere Funktionen haben und für diese ebenso gekennzeichnet werden müssen. Der Achter zum Abseilen (wer’s braucht…) und der klassische Tube ist hervorragend in Mehrseillängen. Zum anderen empfehle ich dir den Kommentar von Thomas Lammel auf Seite 20 ff in bergundsteigen #93: „Die Gesetzeslage
    fordert zum Schutz der Verwender Gerätesicherheit. Die reine Erfüllung von Normen genügt nicht.“ – es nützt eben nichts, wenn ein Gerät bei korrekter Nutzung funktioniert, diese aber einfach vorausgesetzt wird. In der Praxis brauchen wir System, die Fehler tolerieren, denn diese sind nun einmal häufig der Fall!

    Wie schon gesagt: Es gibt keinen Grund, etwas anderes als einen Halbautomaten beim Sichern in Einseillängen zu verwenden. Oder anders gesagt: Warum sollte ich als Sichernder meinem kletternden Partner etwas anderes geben, als die bestmögliche Absicherung, die auch meine eigenen Fehler maximal möglich toleriert?!

    Grüße
    Martin

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