Am vergangenen Sonntag war es soweit, denn endlich konnte auch ich mit meinen kälteempfindlichen Fingern die Klettersaison 2014 eröffnen. Herrlicher Sonnenschein kommt Anfang März ja schon mal vor, aber Temperaturen knapp unter 20 °C im Schatten hatte ich nicht erwartet. Also bin ich so früh wie noch nie zuvor in meiner ja eher kurzen Laufbahn als Kletterer aus dem Winterschlaf aufgewacht und an den Fels gegangen. Das Ziel waren die Felsen des südlichen Frankenjuras, genauer gesagt die Felsen bei Aicha, unweit vom etwas bekannteren Konstein (meistens wird nicht zwischen den Gebieten Aicha und Konstein unterschieden, sondern nur von Konstein gesprochen).

Konstein erlangte 1981 größere Bekanntheit, als dort das erste internationale Sportklettertreffen abgehalten wurde. Größen wie John Bachar, Ron Fawcett und Kurt Albert hinterließen während des Klettertreffens Spuren wie den Bachar Boulder (Fb 6c+), Die Blaue (8, Dohlenfels, Erstbegehung Ron Fawcett) und das spektakuläre USA-Dach (9-, Lochwand, Erstbegehung Kurt Albert). Damals waren die besten Kletterer der Welt im neunten Grad unterwegs, der zehnte Grad war Anfang der 80er noch Neuland. Das internationale Sportklettertreffen artete allerdings etwas aus und es war das vorerst letzte seiner Art, bis es 2013 im nördlichen Frankenjura eine Art Nachfolgeveranstaltung gab (die für das Jahr 2014 schon wieder abgesagt wurde). Der südliche Frankenjura war Anfang der 80er Jahre noch von großer internationaler Bedeutung: Am Schellneckkopf kletterte Jerry Moffat 1983 mit The Face (10-) weltweit erstmals im unteren zehnten Grad (auch wenn es eventuell schon eine weitere Begehung in diesem Grad im gleichen Jahr gab, wird The Face in der Regel als erste Route im Grad 10- geführt, mit Jerry Moffat als erstem Mensch in diesem Grad) und Wolfgang Güllich legte 1984 mit Kanal im Rücken (10) an der Kastlwand nach, mit der weltweit ersten Route in diesem Grad. Mittlerweile ist der südliche Frankenjura mitsamt Konstein etwas in Vergessenheit geraten, hat aber noch regionale Bedeutung und das sieht man nicht zuletzt an den teilweise abgespeckten Routen in den unteren Graden. Dennoch lohnt ein Ausflug nach Konstein, denn es finden sich zahlreiche Felsen auf kleinstem Raum und daher sollte für jeden etwas zu finden sein. Auch kleinere und weniger frequentierte Felsen sind im Wald vorhanden, so dass man auch in aller Ruhe an weniger abgespeckten Felsen klettern kann.

Auf dem Weg nach Konstein war mir natürlich klar, dass es nach mehreren Monaten reiner Hallenkletterei wieder eine kleine Umstellung sein würde und entsprechend wollte ich es langsam angehen, als ich an der Münchner Wand zum ersten Mal im Jahr 2014 wieder Kalk zu greifen bekam.

Linker Teil der Münchner Wand bei Aicha im südlichen Frankenjura.
Linker Teil der Münchner Wand bei Aicha im südlichen Frankenjura.
Die ersten Blumen blühen schon am Wandfuß und in den Wäldern.
Die ersten Blumen blühen schon am Wandfuß und in den Wäldern.

Die Münchner Wand ist ein freigestellter Fels mit Routen in den Graden 5 bis 8, wobei die meisten im 6. Grad zu finden sind. Durch die Freistellung ist der Fels nach Süden exponiert und in Frühjahr und Herbst wärmt die Sonne herrlich, im Sommer ist es allerdings entsprechend unangenehm heiß. Der Fels ist rund 20 m hoch und als charakteristisch für die Wand würde ich die für den Kalk typischen Risse nennen. Insgesamt ist der Fels meist senkrecht bis geneigt, bombenfest und der Wandfuß ist eben, also daher auch für Familien geeignet. Die Bewertungen, meiner Meinung nach beim Klettern ein überbewerteter Aspekt, würde ich als leicht gewürfelt bezeichnen, denn so ganz nachvollziehen kann ich sie nicht immer. Es gibt teilweise auch leichte Unterschiede zwischen Helmut Wundlechners Konstein Kletterführer (Auflage 4) und dem Pendant hierzu aus dem Hause Panico, dem Kletterführer Südlicher Frankenjura (ich hatte die nicht mehr aktuelle erste Auflage dabei).

Bei Aicha finden sich zahlreiche Felsen auf engem Raum und direkt neben der Münchner Wand findet sich der  Hexenkessel, den wir ebenfalls besuchten. Dieser bietet leichte Kletterei ab dem 3. Grad bis in den maximal oberen 6. Grad und ist im Gegensatz zur Münchner Wand deutlich niedriger, was ihn im Sommer unter dem Laub der Bäume verschwinden lässt. Entsprechend schattig ist es also, sofern die Bäume grün sind. Vor allen Dingen kann man dort aber auch noch bei leichtem Nieselregen klettern, weil der Fels von oben durch die Bäume geschützt ist. So habe ich im Jahr 2013 nämlich die Saison eröffnet. Auch hier ist das Gestein fest, viel Platz am ebenen Wandfuss vorhanden und wie bei der Münchner Wand bis auf die ein oder andere Ausnahme alles auch richtig gut abgesichert. Es sei für beide Felsen an dieser Stelle angemerkt, dass es in den leichteren Routen durchaus Abnutzungserscheinungen in Form von speckigen Tritten und Griffen gibt.

Ausblick vom Hexenkessel nach Westen Richtung Konstein.
Ausblick vom Hexenkessel nach Westen Richtung Konstein.

Da wir wegen des fantastischen Wetters nicht alleine waren, wechselten wir ein wenig zwischen den beiden benachbarten Felsen hin und her, um uns langsam zu steigern und wieder ein Gefühl für den Fels zu bekommen. Außerdem möchte ich in diesem Jahr endlich mit dem Alpinklettern durchstarten und habe mir daher zum Ziel genommen, zunächst das Legen mobiler Sicherungen verstärkt zu üben. Entsprechend habe ich mir ein paar leichte Routen vorgenommen und diese sukzessive überall wo ich nur konnte mit Friends und Keilen abgesichert, unabhängig davon, ob dies überhaupt nötig war. Bisher hatte ich mobile Sicherungen zwar ab und an dabei, doch zum Legen in Sportkletterrouten war ich meist zu faul: Wozu in einem Runout die wertvolle Kraft mit absichern verschwenden, denn man auch durchklettern kann?

Das Wetter hätte besser nicht sein können!
Das Wetter hätte besser nicht sein können!
Sonnenuntergang über Konstein, am rechten Bildrand der Dohlenfels.
Sonnenuntergang über Konstein, am rechten Bildrand der Dohlenfels.
Blick von der Münchner Wand in Richtung Konstein.
Blick von der Münchner Wand in Richtung Konstein.

Am Ende des Tages hatte ich mein Gefühl für den Fels wieder aufgefrischt und konnte zufrieden nach Hause fahren. Wer ebenfalls nach Konstein fahren möchte, dem seien die folgenden (teilwies schon genannten) Quellen noch ans Herz gelegt:

Bitte die aktuellen Sperrungen wegen Vogelbrut beachten. Weitere Informationen hierzu unter http://felsinfo.alpenverein.de, sowie in den Kletterführern und vor Ort.

In diesem Sinne

Martin

2 Kommentare

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.